Bei einem Fenstertausch habe ich schon oft erlebt, dass jemand mit einer einzigen Zahl zum Händler kommt: „Das Fenster ist 1,20 Meter breit.“ Gemeint ist dann manchmal die sichtbare Glasscheibe, manchmal der alte Rahmen und manchmal die Maueröffnung. Diese Maße liegen durchaus mehrere Zentimeter auseinander. Bevor Sie also das Maßband ansetzen, lohnt sich eine kurze Klärung: Wollen Sie die vorhandene Öffnung aufnehmen, ein neues Fensterelement bestellen oder ein altes Fenster ersetzen, dessen Rahmen teilweise erhalten bleibt? Erst dann ist klar, welche Kanten Sie messen müssen.
Zuerst festlegen, welches Maß gebraucht wird
Im Fensterbau begegnen Ihnen vor allem drei Maße: das Rohbaumaß der Maueröffnung, das Außenmaß des Fensterelements und das sogenannte Lichtmaß. Das Rohbaumaß beschreibt den freien Abstand zwischen den seitlichen Mauerflächen sowie zwischen Brüstung und Sturz. Das Außenmaß ist die Breite und Höhe des kompletten neuen Rahmens. Das Lichtmaß bezeichnet dagegen den sichtbaren Bereich innerhalb des Rahmens – für die Bestellung eines gewöhnlichen Fensters ist es normalerweise nicht das richtige Maß.
Bei einem Neubau oder einer vollständig freigelegten Öffnung messen Sie in der Regel das Rohbaumaß. Das bestellte Fenster wird kleiner gefertigt, damit es ausgerichtet, befestigt und fachgerecht abgedichtet werden kann. Wie groß dieser Montageabstand ausfällt, hängt unter anderem vom Fenstersystem, dem Wandaufbau und der Einbausituation ab. Ziehen Sie daher nicht automatisch einen beliebigen Standardwert ab. Der Fensterbauer oder Hersteller muss Ihnen sagen, welches Bestellmaß zu Ihrer Öffnung passt.
Beim Austausch ist die Lage weniger eindeutig. Soll der alte Rahmen heraus, kann die Öffnung nach dem Ausbau anders aussehen als zuvor. Bleibt ein alter Blendrahmen als Renovierungsrahmen sitzen, wird dagegen nach dessen Geometrie und den Vorgaben des passenden Systems bestellt. Hier ist „Maueröffnung minus zwei Zentimeter“ keine verlässliche Methode. Ein Foto, die genaue Beschreibung des Vorhabens und die Maße des bestehenden Rahmens helfen dem Anbieter, die Zahlen richtig einzuordnen.
Mit Maßband, Bleistift und etwas Geduld messen
Ein stabiles Maßband reicht für die meisten Öffnungen aus. Ein Laser kann bei großen Abständen praktisch sein, ersetzt aber nicht den Blick auf die tatsächlichen Kanten: Ein schräger Putzvorsprung oder eine ausgebrochene Ecke führt auch mit digitaler Anzeige zu einem falschen Ergebnis. Messen Sie möglichst in Millimetern und schreiben Sie jede Zahl sofort mit ihrer Position auf, etwa „Breite oben“ oder „Höhe rechts“. So werden aus drei Messungen nicht später drei scheinbar gleichartige Zahlen.
Vor dem Messen entfernen Sie lose Teile, die den Anschlag verdecken, aber schlagen Sie nicht eigens Putz ab, wenn die Öffnung dadurch beschädigt werden könnte. Bei einer vorhandenen Fensterbank prüfen Sie, ob sie bleiben soll. Eine innen oder außen aufliegende Bank kann den unteren Anschluss beeinflussen; messen Sie also nicht einfach bis zu einer Kante, die beim Einbau gar nicht maßgeblich ist. Falls das alte Fenster noch eingesetzt ist, halten Sie außerdem fest, ob Rollladenkasten, Führungsschienen oder Anschlussprofile dazugehören.
Breite und Höhe an mehreren Stellen aufnehmen
Eine Maueröffnung ist selten so gleichmäßig, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Messen Sie die Breite deshalb oben, in der Mitte und unten. Setzen Sie das Band jeweils zwischen die gegenüberliegenden Flächen, nicht einmal zwischen Putz und einmal zwischen Mauerwerk. Bei einer schiefen Laibung sollen die Messungen trotzdem die tatsächliche engste Stelle sichtbar machen. Notieren Sie alle Werte, auch wenn sie nur wenige Millimeter voneinander abweichen.
Die Höhe messen Sie links, mittig und rechts – vom vorgesehenen unteren Anschlag bis zur Unterkante des Sturzes. Achten Sie darauf, dass das Band senkrecht verläuft. Besonders bei älteren Häusern ist die Brüstung nicht immer waagerecht; eine Messung nur an einer Seite kann dann ein Element ergeben, das auf der anderen Seite nicht passt. Für eine erste Einschätzung ist häufig das kleinste Maß entscheidend, aber es darf nicht unbesehen als Bestellmaß übernommen werden. Erst muss geklärt sein, wie der Rahmen ausgerichtet und der Anschluss ausgeführt wird.
| Messung | Wo messen? | Wofür ist der Wert hilfreich? |
|---|---|---|
| Breite | Oben, mittig und unten zwischen den seitlichen Anschlägen | Engstellen und schiefe Laibungen erkennen |
| Höhe | Links, mittig und rechts zwischen unterem Anschlag und Sturz | Unterschiede durch schiefe Brüstung oder Sturz feststellen |
| Diagonalen | Von Ecke zu gegenüberliegender Ecke, jeweils in beide Richtungen | Erkennen, ob die Öffnung rechtwinklig ist |
Notieren Sie neben den Zahlen auch die Wandstärke, sofern sie für die Einbaulage gebraucht wird. Messen Sie dafür an mehreren Stellen von der inneren bis zur äußeren Wandfläche. Putz, Klinker, Dämmung und Fensterbank können den sichtbaren Aufbau verändern. Die Wandstärke allein legt noch nicht fest, wo das Fenster sitzen soll: Diese Position muss zum Wandaufbau und zum Anschluss passen.
Abweichende Maße sind kein Grund zum Raten
Unterscheiden sich die Breiten oder Höhen deutlich, prüfen Sie zuerst, ob Sie wirklich jeweils zwischen denselben Bezugspunkten gemessen haben. Danach helfen die Diagonalen: Sind sie verschieden, ist die Öffnung nicht rechtwinklig. Auch ein kleiner Unterschied kann bei einem großen Element relevant sein, besonders wenn die Laibung eng ist oder das Fenster ohne breite Abdeckleisten eingebaut werden soll. Versuchen Sie nicht, die Schiefe durch ein größeres Bestellmaß „auszugleichen“. Ein Fensterrahmen muss spannungsfrei eingebaut und korrekt ausgerichtet werden; die Anschlussfuge gleicht keine beliebig krumme Öffnung aus.
Bei unregelmäßigem Mauerwerk mache ich zusätzlich eine einfache Skizze und schreibe die Maße direkt an die passende Seite. Ein Foto mit sichtbarem Maßband oder Zollstock kann ebenfalls nützlich sein, ersetzt aber keine Notiz. Halten Sie außerdem fest, auf welcher Seite sich der Fenstergriff befinden soll und ob die Ansicht von innen oder außen gemeint ist. Gerade bei mehreren ähnlichen Fenstern verhindert diese kleine Angabe, dass linke und rechte Elemente vertauscht werden.
Beim Fenstertausch zählt auch der alte Rahmen
Wenn das vorhandene Fenster noch eingebaut ist, messen Sie nicht bloß die sichtbare Scheibe. Für eine erste Aufnahme können Sie die Außenkanten des alten Rahmens erfassen, soweit sie zugänglich sind. Das sagt jedoch noch nicht automatisch, welche Größe das neue Element haben muss. Wird der alte Rahmen komplett entfernt, sind dessen Außenmaße nicht dasselbe wie das Maß der freigelegten Maueröffnung. Bleibt er stehen, müssen Zustand, Tragfähigkeit und das vorgesehene Renovierungssystem geprüft werden.
Bei einer Renovierung mit verbleibendem Rahmen fällt häufig weniger Licht durch das neue Fenster, weil ein weiterer Rahmen vor dem alten sitzt. Auch Rollladenführungen, Anschlagleisten und die vorhandene Fensterbank können den Platz einschränken. Deshalb sollte der Anbieter wissen, dass es sich um einen Austausch mit verbleibendem Rahmen handelt. Ein sauber aufgenommenes Maß nützt wenig, wenn die Einbausituation falsch beschrieben wird.
Das Maß allein bestellt noch kein passendes Fenster
Bevor Sie Ihre Zahlen freigeben, prüfen Sie, ob im Angebot das Außenmaß des Elements oder das Maß der Öffnung angegeben ist. Diese Begriffe werden im Alltag nicht immer konsequent verwendet. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, welches Maß der Hersteller benötigt und ob Montagefugen bereits berücksichtigt sind. Fragen Sie auch nach den nötigen Angaben für Fensterbankanschlüsse, Rollläden und besondere Profile. Bei großen, bodentiefen oder ungewöhnlich geformten Fenstern sollte die Baustelle vor der Bestellung fachlich aufgenommen werden.
Ein gutes Aufmaß besteht am Ende nicht nur aus Breite und Höhe. Es beschreibt, wo gemessen wurde, welche Kanten maßgeblich sind und was mit dem alten Rahmen geschieht. Wenn Sie diese Informationen sauber festhalten, kann ein Fachbetrieb Ihre Werte einordnen, statt über eine einzelne Zahl zu raten. Und falls eine Öffnung krumm ist, ist das keine peinliche Überraschung, sondern eine wichtige Information für die Planung. Das Maßband zeigt nicht nur, wie groß das Fenster sein soll; es zeigt auch, welche Fragen vor der Bestellung noch beantwortet werden müssen.
Foto von Philippe Surber auf Unsplash
Schöne Stoffe, ungewöhnliche Farbkombinationen und Möbel mit Geschichte sind eine echte Leidenschaft. Perfekte Katalogwohnungen? Viel interessanter sind lebendige Räume mit kleinen Ecken, persönlichen Fundstücken und ganz eigenem Charme.
