Beim Aufbau eines dreitürigen Kleiderschranks merkt man oft erst auf halber Strecke, wie viel Platz eine einzelne Seitenwand braucht. Sie liegt quer im Zimmer, die Beschläge sind über den Boden verteilt, und genau dort, wo man sich drehen müsste, steht noch ein Umzugskarton. Beim BRIMNES lohnt sich deshalb ein ruhiger Start mehr als ein schneller erster Handgriff. Der Schrank ist kein kompliziertes Möbelstück, aber seine großen Platten und die drei Türen verzeihen hektisches Arbeiten nur schlecht.
Die folgende Anleitung beschreibt den Ablauf so, wie er sich in der Praxis bewährt: erst Teile und Raum vorbereiten, dann den Korpus aufbauen, ausrichten und sichern, zum Schluss Türen und Innenausstattung montieren. Die Ausführung und einzelne Beschläge können sich je nach Modell oder Produktionsstand unterscheiden. Die beiliegende IKEA-Anleitung bleibt deshalb maßgeblich, besonders bei der Anzahl und Position der Schrauben sowie bei der Wandbefestigung.
Vor dem ersten Dübel: Platz schaffen und Teile prüfen
Räumen Sie den Bereich so frei, dass sich eine große Seitenwand flach ablegen lässt und Sie später noch an die Rückseite des Schranks gelangen. Ein Teppich oder eine Decke schützt die Oberfläche, sollte aber glatt liegen. Falten unter einer Platte können beim Verschieben Kratzer verursachen. Wenn der Boden empfindlich ist, lege ich zusätzlich dünne Pappe unter die Ecken, an denen der Korpus später aufgerichtet wird.
Öffnen Sie die Pakete möglichst in der Nähe des vorgesehenen Montageplatzes. Legen Sie die Platten getrennt von den Beschlägen ab und vergleichen Sie sie mit der Teileübersicht. Dabei geht es nicht darum, jede Schraube schon einzeln zu sortieren. Wichtiger ist, dass Sie lange und kurze Schrauben nicht verwechseln und Beschläge mit ähnlicher Form auseinanderhalten. Kleine Schalen oder die Verpackungskartons helfen dabei. Ein falsch gewählter Verbinder fällt oft erst auf, wenn ein Loch schon belegt ist.
Prüfen Sie außerdem, ob die Rückwand, Einlegeböden, Kleiderstange und Türbeschläge vorhanden sind. Bei einer beschädigten Kante oder einer gebrochenen Platte lohnt es sich, vor dem Aufbau zu pausieren und Ersatz zu organisieren. Eine beschädigte Seitenwand lässt sich nicht sinnvoll dadurch „retten“, dass man an anderer Stelle fester schraubt.
Für den Aufbau reichen meist ein Kreuzschlitzschraubendreher, ein kleiner Hammer und ein Maßband. Ein Akkuschrauber kann Zeit sparen, sollte aber nur mit niedriger Kraftstufe verwendet werden. Bei Schrauben in Spanplatten ist Gefühl wichtiger als Drehmoment: Sobald der Beschlag sitzt, nicht weiter nachziehen. Ein zweiter Mensch ist beim Aufrichten und Ausrichten des Korpus besonders hilfreich; für diese Arbeit ist er wichtiger als für das Einschrauben der einzelnen Verbinder.
Den Korpus zusammensetzen, ohne die Platten zu verspannen
Beginnen Sie mit den Bauteilen, die laut Montagezeichnung den unteren und oberen Abschluss sowie die Seiten bilden. Legen Sie die erste Seitenwand mit der Innenseite nach oben auf den geschützten Boden. Achten Sie auf die vorgebohrten Löcher: Sie zeigen, welche Kante nach oben oder innen gehört. Die Außenseite lässt sich nicht immer sofort erkennen, und eine Platte falsch herum einzubauen kann später dazu führen, dass Türscharniere oder Fachbodenträger an der falschen Stelle sitzen.
Setzen Sie die Verbindungselemente so ein, wie es die Anleitung zeigt, und führen Sie die angrenzenden Platten langsam zusammen. Wenn ein Dübel oder Verbinder nicht leicht in die vorgesehene Öffnung geht, nicht mit Gewalt nachhelfen. Prüfen Sie erst, ob die Teile richtig ausgerichtet sind und ob kein Beschlag verdreht sitzt. Ein kurzer Blick auf die Zeichnung spart hier oft mehr Zeit als kräftiges Drücken.
Montieren Sie die zweite Seitenwand und die weiteren Korpusteile in der Reihenfolge des Hefts. Der Schrank sollte währenddessen möglichst flach liegen und nicht an einer Ecke hochgezogen werden. So bleiben die Verbindungen unbelastet, während sie noch nicht vollständig gesichert sind. Ziehen Sie die Verbindungen zunächst gleichmäßig an. Wenn eine Seite deutlich weiter geschlossen ist als die andere, stimmt meist die Ausrichtung noch nicht.
Vor dem Einsetzen der Rückwand lohnt sich ein kurzer Halt: Sind alle Korpusteile richtig herum montiert? Sind die inneren Beschläge an der vorgesehenen Stelle? Ist nichts zwischen den Platten eingeklemmt? Diese Kontrolle ist unspektakulär, aber sie erspart das mühsame Zerlegen eines fast fertigen Schranks.
Die Rückwand entscheidet über den geraden Stand
Die Rückwand wird leicht als bloßer Abschluss angesehen. Tatsächlich hilft sie, den Korpus rechtwinklig zu halten. Schieben Sie den Schrank deshalb nicht erst nach vollständiger Montage an die Wand, sondern arbeiten Sie auf einer ebenen Fläche und richten Sie die Ecken sorgfältig aus. Messen Sie, wenn nötig, die beiden Diagonalen des Korpus: Sind sie ähnlich lang, ist das ein guter Hinweis darauf, dass der Schrank nicht schief steht.
Befestigen Sie die Rückwand entsprechend der Anleitung und beginnen Sie nicht einfach an einer Ecke mit allen Nägeln oder Schrauben. Eine praktische Vorgehensweise ist, zunächst wenige Punkte zu fixieren, die Passung zu prüfen und dann die Befestigungen nach und nach zu ergänzen. So lässt sich eine kleine Schieflage noch korrigieren, bevor die Rückwand fest sitzt. Sitzt sie versetzt, kann das später zu ungleichmäßigen Türspalten führen.
Wenn Sie den Schrank aufrichten, halten Sie ihn an stabilen Korpusteilen und nicht an einer dünnen Rückwandkante. Arbeiten Sie langsam und ohne ruckartige Bewegung. Prüfen Sie danach, ob der Schrank auf allen Füßen beziehungsweise Auflagepunkten steht. Ein wackelnder Korpus wird nicht dadurch gerade, dass man die Türen später verstellt; zuerst muss die Basis stimmen.
Innenleben einsetzen und die Wandbefestigung ernst nehmen
Einlegeböden, Kleiderstange und weitere Innenteile lassen sich häufig leichter einsetzen, solange der Schrank noch nicht voll beladen ist. Orientieren Sie sich bei den Bohrungen und Haltern exakt an der Zeichnung. Wenn ein Regalboden nur mit Druck auf seine Träger passt, kontrollieren Sie, ob die Träger auf gleicher Höhe und richtig eingesetzt sind. Auch die Kleiderstange sollte sicher in ihren Halterungen sitzen, bevor Kleidung daran hängt.
Besonders wichtig ist die Befestigung an der Wand. Ein hoher Schrank kann kippen, wenn eine Tür weit geöffnet wird oder ein Kind daran zieht. Verwenden Sie die in der Anleitung vorgesehene Kippsicherung und wählen Sie Dübel und Schrauben passend zur Wand: Eine massive Wand verlangt anderes Befestigungsmaterial als Gipskarton oder eine Hohlwand. Die mitgelieferte Befestigung ist nicht automatisch für jede Wand geeignet. Im Zweifel klären Sie vor dem Bohren, wo tragfähiges Material sitzt und welche Befestigung dazu passt.
Rücken Sie den Schrank erst an seine endgültige Position, wenn die Wandbefestigung vorbereitet ist. Kontrollieren Sie auch, ob Sockelleisten verhindern, dass er dicht an der Wand steht. Ein Abstand kann die Wirkung der Kippsicherung verändern; folgen Sie hier der Montageanleitung und improvisieren Sie keine Verlängerung aus beliebigen Schrauben oder Restholz.
Drei Türen montieren und ruhig einstellen
Die Türen kommen am besten zuletzt an den Korpus. Legen Sie jede Tür auf eine weiche Unterlage und montieren Sie die Scharniere so, wie es die Beschlagzeichnung vorgibt. Die Türen können sich äußerlich ähneln, müssen aber nicht an jeder Position austauschbar sein. Markieren Sie sie bei Bedarf mit einem Stück Papier, statt Klebeband auf empfindliche Oberflächen zu kleben.
Für das Einhängen ist eine zweite Person angenehm: Eine hält die Tür auf der richtigen Höhe, die andere setzt die Scharniere an. Ziehen Sie die Befestigungen zunächst nur so weit fest, dass die Tür sicher hängt und noch eingestellt werden kann. Danach schließen Sie die Türen langsam und betrachten die Spalten von oben bis unten. Gleichmäßige Abstände sind ein besserer Maßstab als eine vermeintlich perfekte einzelne Kante.
Viele Scharniere lassen sich in mehreren Richtungen justieren. Verstellen Sie nur in kleinen Schritten und prüfen Sie nach jeder Änderung erneut, statt an mehreren Schrauben gleichzeitig zu drehen. Hängt eine Tür unten zu weit außen, kann eine kleine Korrektur am passenden Scharnier genügen. Streift sie an der Nachbartür, prüfen Sie außerdem, ob der Korpus gerade steht. Türverstellung kann einen schiefen Schrank nicht dauerhaft ausgleichen.
Falls eine Tür ein Spiegel oder eine andere empfindliche Oberfläche besitzt, legen Sie sie während der Montage besonders sorgfältig ab und vermeiden Sie punktuelle Belastung. Türen sollten nicht an einer schmalen Ecke angehoben oder gegen eine Wand gelehnt werden, an der hervorstehende Beschläge sitzen. Solche kleinen Vorsichtsmaßnahmen wirken langsam, sind aber weniger lästig als ein Schaden am Ende eines ansonsten gelungenen Aufbaus.
Zum Schluss prüfen, bevor Kleidung einzieht
Öffnen und schließen Sie jede Tür mehrmals. Achten Sie auf Schleifen, Knacken und darauf, ob die Türen von selbst auf- oder zufallen. Prüfen Sie, ob sämtliche Verbindungen fest sitzen, die Rückwand befestigt ist und die Kippsicherung tatsächlich an der Wand angebracht wurde. Legen Sie anschließend zunächst nur leichte Dinge auf die Einlegeböden und verteilen Sie das Gewicht gleichmäßig. Schwere Gegenstände gehören nicht an eine einzelne Kante oder ganz oben in den Schrank.
Wenn etwas nicht passt, gehen Sie einen Schritt zurück: Ist der Korpus rechtwinklig? Sind die Scharniere korrekt eingesetzt? Liegt ein Boden auf allen vorgesehenen Haltern? Diese Reihenfolge ist meist hilfreicher, als sofort eine Schraube nachzuziehen. Beim BRIMNES entsteht ein sauberer Aufbau nicht durch Kraft, sondern dadurch, dass jedes Teil an seinem Platz sitzt und der Korpus gerade bleibt. Am Ende sollte der Schrank nicht nur ordentlich aussehen, sondern sich auch ruhig und stabil anfühlen, wenn Sie die drei Türen im Alltag öffnen.
Schöne Stoffe, ungewöhnliche Farbkombinationen und Möbel mit Geschichte sind eine echte Leidenschaft. Perfekte Katalogwohnungen? Viel interessanter sind lebendige Räume mit kleinen Ecken, persönlichen Fundstücken und ganz eigenem Charme.
